2000 m² – ein Durchschnittsprojekt

2000 m² ist ein Projekt, das alles andere als durchschnittlich ist, sich jedoch viel mit dem Durchschnitt beschäftigt. Wie viele Menschen sind wir auf dem Planeten? Ungefähr 7 Milliarden. Wenn man die gesamte Ackerfläche der Erde (1,4 Milliarden Hektar) durch die Anzahl der Erdbewohner teilt, kriegt man 2000 m² heraus. Denken wir konsequent: Die gesamte Ernährung eines Menschen muss also auf 2000 m² angebaut werden können oder andersherum: Jeder von uns hat ganze 2000 m² zur Verfügung, um sich zu ernähren.

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Aus diesem Gedanken heraus entstand das Projekt 2000 m², dessen Name ganz schlicht und ergreifend das benennt, worum es geht: die Fläche Land, das Stückchen Erde, das für jeden von uns so essentiell ist. Benedikt Härlin und Arc2020 bauten zunächst eine Internetplattform auf, wo die Beschäftigung mit dem Thema auf Diskussionsebene stattfinden konnte. Aber dann wollten die Macher des Projekts ernst machen. Sie wollten es wissen. Warum nicht tatsächlich 2000 m² Land bepflanzen? Wie sonst kann man erfahren, was es wirklich bedeutet? Die Idee war gut und so bekamen sie die benötigte Ackerfläche von Christian Heymann von Speisegut zur Verfügung gestellt.

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In der Vorbereitung haben sie sich weiterhin mit einigen Durchschnittswerten beschäftigt: Wie viel von welchen Nährstoffen braucht ein Mensch, um sich ausgewogen zu ernähren? Und wie viele von welchen Pflanzen geben diese Nährstoffe her? Und natürlich: Wie viel Platz benötigen die Pflanzen jeweils?

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Gedacht, geplant, getan. Die 2000 m² wurden in diesem Jahr bereits eine Saison lang als Acker benutzt. Er wurde akkurat in kleinere und größere Flächen aufgeteilt, damit alle Elemente der Ernährungspyramide in den richtigen Mengen angebaut werden konnten. Und dann, endlich, als gesät, gegraben, geharkt und geschwitzt wurde, waren sie auf einmal verschwunden, die Durchschnittswerte. Denn dann, plötzlich, ging es nicht mehr um Zahlen, sondern um den Geruch der Erde, um die eigenen Knochen und um Sonnenbrand. Es ging um den Regen, der so schrecklich fruchtbar war für das Getreide und für das Unkraut. Oh Unkraut! Warum vergehst du nie? Es ging um Vögel, die munter zwitscherten im Morgengrauen und sich dann daran machten, die gesamte Sonnenblumensaat sorgfältig aus dem Boden zu sammeln. Wenn es einmal nicht regnete, musste gewässert werden, was mit einer einzigen Gießkanne erledigt wurde, und wenn der Mangold reif wurde, kam er einem zu den Ohren wieder heraus. Was sollte man tun mit all diesen Dingen, die alle zur gleichen Zeit reif wurden? Saisonal essen bekam auf einmal eine ganz neue Bedeutung und auch das Einkochen. Wie konserviert man die Ernte am besten, damit man das ganze Jahr über etwas von ihr hat?

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„Man kann ja die verschiedensten Fragen an seine 2000 m² stellen“, sagt Härlin und ermutigt jeden, sich seine eigenen 2000 m² anzulegen. In der ersten Runde ging es ihm und seinem Team darum, herauszufinden, ob man die Inhalte der Ernährungspyramiden unter realen, in diesem Fall brandenburgischen Bedingungen tatsächlich auf der Fläche anbauen kann. Die Antwort: ja. Jetzt planen sie eine zweite Runde für 2015. Sie wollen schauen, ob man über das Jahr hinweg eine Person mit den Erzeugnissen des 2000 m²-Ackers vollständig ernähren kann – durch komplette Selbstversorgung. Prognosen: wahrscheinlich sogar zwei.

Anmerkung: Wie es aussieht, könnte man also zwei Personen mit 2000 m² versorgen, nicht jedoch eine Person mit 1000 m². Das liegt zum Beispiel an einem Minimum an unnutzbarer Restfläche, die betrieblich bei einem Acker anfallen. Dieser Umstand macht das Symbolhafte des Projekts deutlich – wäre doch die ganze Arbeit viel effektiver, wenn man pro Sorte eine möglichst große Menge für viele Verbraucher anbaut, anstatt für einen Verbraucher die vielen Sorten. Eine Beobachtung wiederum, die sich seit den 70er Jahren einige Bauern sehr zu Herzen genommen haben.

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Warum Benedikt Härlin dennoch Recht hat: Er wird nicht müde zu betonen, dass das Projekt ein symbolisches ist und auch, dass es sich hier nicht um einen ökologischen Fußabdruck handelt. Es gibt allerdings einige aktuelle Durchschnittswerte, die deutlich machen, wie sehr wir eigentlich Symbole nötig haben. Das Konsumverhalten des Europäers nimmt momentan 2700 m² in Anspruch und nicht 1000 m² und das trotz monokultureller Massenproduktion. Ca 700 m² werden pro Kopf aus anderen Territorien „importiert“, vor allem Genussmittel wie Kaffee oder Tabak. Und dabei könnten wir uns hier in Deutschland mit einer pro Kopf Verteilung von 2000 m² noch glücklich schätzen, denn es kommt ungefähr hin. In China sieht es schon ganz anders aus. Dort ist die Bevölkerungsdichte rund das doppelte.

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Denken wir also konsequent. Weltbevölkerung steigend, Ackerfläche nicht. Es ist nichts neues, wenn wir sagen, dass zwei Dinge passieren müssen: eine Umstrukturierung hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und eine drastische Veränderung des Konsumverhaltens. Die wichtigste Vorraussetzung dafür fehlt den meisten allerdings noch. Das Umdenken. Und dafür sind Projekte wie 2000m2 wichtig. Symbolisch und gleichzeitig höchst praktisch, können sie weite Kreise ziehen – im Denken, im Handeln und im Fühlen. Besonders wenn man selbst einmal auf dem Acker steht und sich das Gesicht verbrennt und darüber alle Zahlen für eine Zeit in Vergessenheit geraten.

Es werden immer neue Fragen an den Acker entstehen. Und unweigerlich wird es auch Antworten geben. Und dann, sehen wir der Tatsache ins Auge, wird das Projekt weder ein durchschnittliches noch ein symbolisches sein.

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Freiwillige gesucht: Florian Kliem heißt der Guerilla-Koch, der sich über das Jahr 2015 von den 2000 m² ernähren wird. Einmal im Monat tritt er seinen Posten allerdings für eine Woche an eine andere Person ab. Interesse geweckt? Ab auf die Webseite von 2000 m²!

Mehr über Marktschwärmer erfährst Du auf unserer Webseite und unserer Facebook-Seite.

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