Das Beziehungschaos mit Lebensmitteln: Warum wir uns mehr mit unserem Essen beschäftigen sollten und wie unsere Einkäufe den Lebensmittelmarkt verändern

Vom Feld in den Mund – Jahrhundertelang kam bei den Menschen das auf den Teller, was sie direkt auf ihren Ackern angebaut hatten. Das hat sich im letzten Jahrhundert drastisch geändert. Durch Globalisierung und Industrialisierung haben wir uns immer weiter von den Ursprüngen unserer Lebensmittel entfernt. Wir wissen nicht mehr, wo und wie sie produziert wurden und was das für unsere Gesundheit bedeutet. Doch, wer sagt, dass wir das nicht wieder rückgängig machen können? Durch die Corona-Schutzmaßnahmen haben wir aktuell die Zeit, das zu ändern.

In unserer heutigen Gesellschaft war bis jetzt wenig Platz für eine ausgiebige Beschäftigung mit dem Essen auf unserem Tisch. Der Großteil der Menschen packt seine Lebensmittel seit Jahrzehnten gedankenlos in den Einkaufswagen im Supermarkt – ohne zu lesen, woher das Produkt eigentlich kommt und welche Nährstoffe es beinhaltet. Viele Menschen glauben aufgrund von Produktmarketing fälschlicherweise sogar, dass sie so faire, regionale Produkte kaufen.

Die Kontaktminimierung durch den Coronavirus hat die Strukturen unseres Zusammenlebens grundsätzlich verändert. Vielleicht beeinflusst das auch unseren Umgang mit den Lebensmitteln. Für viele schafft der wegfallende Arbeitsweg, die geschlossenen Restaurants und das geringe Maß an Freizeitterminen mehr Zeit zum Kochen und um uns mehr Gedanken darüber zu machen, was wir essen.

Essen und Corona

© Thomas Louapre

Wir sollten uns besinnen, welche Lebensmittelqualität wirklich gesund ist

Gerade mit dem Phänomen der Hamsterkäufe sollten wir uns besinnen, welche Lebensmittelqualität wirklich gesund für uns ist und wie viele Lebensmittel wir tatsächlich brauchen. Die gewonnene Zeit zu Hause gibt uns die Möglichkeit, an unserer Beziehung mit den Lebensmitteln und ihrer Herkunft zu arbeiten. Denn je weniger ein Produkt verarbeitet wurde, desto besser ist es für unseren Körper. Und je weniger Essen wir wegschmeißen, desto freundlicher ist dies für unsere Umwelt. Es ist unsere Verantwortung, darauf zu achten, was und wo wir einkaufen.

Genau jetzt, wo wir so viel zuhause kochen, bestimmen wir Konsument*innen aktiv mit, was und wie viel verkauft wird. Mit unseren Kaufentscheidungen beeinflussen wir den Lebensmittelmarkt. Wenn wir statt Dosen und Fertigprodukten lieber regionales Obst, Gemüse und Bioprodukte einkaufen, wird auch die Produktion und Förderung dieser Lebensmittel erhöht. Es ist außerdem enorm wichtig, dass wir kleinbäuerliche Betriebe aus der Region unterstützen und die Lebensmittel direkt von ihnen beziehen. Es liegt in unserer Hand, dass die lokalen Erzeuger*innen die Folgen der Coronakrise überstehen. 

Bauern unterstützen mit Essen in Corona

Thomas Louapre

Die globale Transportkette ist fragil

Besonders in Krisenzeiten und den Bildern von leeren Supermarktregalen ergibt sich die Gelegenheit, uns zu besinnen, wie wichtig die Versorgung mit regional produzierten Lebensmitteln ist. Die bisher bestehende globale Transportkette ist sehr fragil, eine Regionalisierung der Ernährungswirtschaft ist eigentlich dringend nötig. Wir als Kund*innen können dabei aktiv die Nachfrage mitbestimmen. 

Natürlich ist es in Ordnung, sich manchmal von den vielen Veränderungen durch Corona überfordert zu fühlen. Aber es hilft dem Körper enorm, wenn wir in dieser Situation kein stark verarbeitetes Essen nachhause bestellen, sondern mit frischen und regionalen Zutaten kochen. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, neue Rezepte auszuprobieren oder das Lieblingsgericht zu kochen. Wir sollten bei der Zusammenstellung der Einkaufsliste beachten, dass wir solidarisch nur das kaufen, was wir brauchen und zuerst benutzen, was wir noch im Küchenschrank haben. 

Es ist wichtig auch während Corona zu Kochen

© Thomas Louapre

Mehr Zeit für bewusste Kaufentscheidungen

Seit Ausbruch der Pandemie hat auch Marktschwärmer Veränderungen im Bestellverhalten festgestellt. Wir freuen uns sehr, dass wir immer mehr Schwärmer*innen dazu gewinnen. Unsere Erzeuger*innen arbeiten im Hochbetrieb daran, dass alle Schwärmereien beliefert werden können. Sie freuen sich, wenn ihr sie auch weiterhin unterstützt. Denn ob Pandemie oder nicht – wir hoffen, dass sich zukünftig mehr Menschen die Zeit nehmen, bewusste Kaufentscheidungen für ihre Lebensmittel zu treffen.

Mehr über Marktschwärmer erfährst Du auf unserer Webseite und unserer Facebook-Seite.

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