“Der Gedanke nach mehr Regionalität ist beim Endverbraucher vorhanden, aber die Umsetzung scheitert oft schon beim Händler” – Im Interview mit Landwirt Markus Neubauer

Vor den Toren der Halbinsel Zingst in Ribnitz-Damgarten betreibt Markus Neubauer seit diesem Jahr seinen eigenen Gemüsehof. Auf 1,8 ha baut er hier eine Vielzahl an Speisekürbissen an: Neben Hokkaido und Muskatkürbis lassen sich hier auch Sorten wie Butternut, Hubbardkürbis oder Eichelkürbis finden. Als junger Bio-Gemüsebaubetrieb pflegt und erntet er sein Gemüse mit viel Handarbeit und legt bei seiner Vermarktung viel Wert auf Regionalität. In unserem Interview spricht er mit uns über den Anbau seiner Kürbisse und die Preisgestaltung seiner Produkte.

Wie bist du dazu gekommen Kürbisse anzubauen?

Für uns stand von Anfang an fest, neben weiterem Gemüse auch Kürbis anzubauen, zum einen, weil meine Familie und ich gerne Kürbis essen und zum anderen ist der Kürbisanbau relativ simpel. So hatten wir bis jetzt keine nennenswerten Probleme und auch die Arbeitskraftstunden halten sich im Gegensatz zu anderen Kulturen in Grenzen. Ein weiterer wichtiger Punkt für uns ist, dass der Kürbis je nach Sorte mindestens 3 Monate, einige sogar 6 Monate lagerfähig sind und das ohne in ein großes Kühlhaus investieren zu müssen. In diesem Jahr bauen wir insgesamt 10 Sorten an.

Was ist für dich ein fairer Preis?
Für mich ist ein fairer Preis, wenn alle Kosten gedeckt werden können und auch noch so viel übrig bleibt, dass der Betrieb zukunftsfähig ist, aber auch die Möglichkeit besteht, etwas für die Natur zu machen oder auch neue Wege zu gehen, wie z.B. Versuche anzulegen, um den Kürbisanbau zu verbessern und gleichzeitig noch nachhaltiger zu wirtschaften.

Welche direkten und indirekten Kosten sind mit dem Anbau von Kürbissen verbunden, und wie fließen diese in eure Preisgestaltung ein? 

Neben dem Saatgut, Düngemittel, Maschinenkosten, Lohn, Lager und Energiekosten fließen auch noch viele weitere Kosten mit in die Preisgestaltung ein. Für einen Speisekürbis kommt man da auf einen Preis von ca.1,56€ pro Stück, variabel nach Größe und Sorte. Auf unserem Hof arbeiten wir nach den Richtlinien der EU-Öko-Verordnung und versuchen, soweit möglich, natürliche, regenerative und umweltschonende Methoden anzuwenden, um die Biodiversität zu schützen und zu erhalten. Das bedeutet, dass wir sehr selten, in den meisten Fällen gar keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, daher können diese Kosten eingespart werden. Auf der anderen Seite funktioniert die Unkrautbekämpfung bei uns aber auch nur mit Striegel, Hackmaschinen und händischem Hacken, wodurch die Arbeitskraftstunden, Maschinen- und Dieselkosten deutlich höher liegen. Aber auch die von uns eingesetzten organischen Handelsdünger sind etwas teurer als mineralische Düngemittel.

Wie legt ihr den Preis für eure Kürbisse fest? 

Da wir hauptsächlich an Wiederverkäufer vermarkten, bleibt uns wenig Spielraum bei der Preisgestaltung, da auch wir mit der Konkurrenz mithalten müssen. Wenn der Preis nicht vorgegeben wird, orientieren wir uns an den Groß- und Einzelhändlern, aber auch an anderen Kollegen. Wir haben leider auch Kunden, die um jeden Cent verhandeln. Einigen Leuten ist egal ob sie bei uns frische Kürbisse, die 5 km entfernt geerntet und gewaschen sind, erhalten, oder beim Großhändler, wo das Produkt aus allen Teilen Deutschlands kommen kann, hauptsache günstig. Der Gedanke nach mehr Regionalität ist beim Endverbraucher vorhanden, aber die Umsetzung scheitert oft schon beim Händler.

Welche Art von Unterstützung oder Anreizen seitens der Politik würden deiner Meinung nach dazu beitragen, fairere Preise für landwirtschaftliche Produkte wie Kürbisse zu erzielen?
Ich würde mir wünschen, dass vor allem kleinere Erzeuger mehr Unterstützung und Förderung vom Staat und der EU erhalten. Auch, dass wir von Weltmarktpreisen mehr Abstand nehmen und es fairer geregelt wird. Schön wäre auch, wenn der Begriff “regional” staatlich geschützt wird und genau definiert wird, bis zu welcher Entfernung ein Produkt tatsächlich regional ist.

Welche langfristigen Auswirkungen hat deiner Meinung nach die Preisgestaltung auf die Nachhaltigkeit und die Zukunft eurer Kürbisproduktion?
Noch können wir zu den Preisen produzieren, aber ob das in der Zukunft so bleibt, kann ich nicht sagen. Die Kosten für Betriebsmittel, Personal und neue Maschinen steigen stetig. Um weiterhin nachhaltig und zukunftssicher Kürbis zu produzieren, müssen wir weitere Vermarktungswege finden, unter anderem auch die Verarbeitung von Kürbis in Betracht ziehen und definitiv die Direktvermarktung weiter ausbauen.

Wir bedanken uns bei Markus Neubauer für das interessante Gespräch. Die Produkte von Neubauer Landbau gibt es bei den Marktschwärmern Rostock

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